Freitag, Juni 26, 2009

Slow Food

Am Montag eine erste intensivere Auseinandersetzung mit Slow Food... Vorbereitung mittels Lektüre von


Tagsdarauf dann "Fast Food". Welch geschmackvoller Antagonismus ...

Donnerstag, April 30, 2009

Scharf schießt die KT

Nach Arnold Gehlen bin ich gestern noch zum Beitrag von Adorno und Horkheimer zur "Kulturindustrie" in der Dialektik der Aufklärung geswitcht. Und obwohl die beiden ja wirklich die dumpf vor sich hin starrende Apokalypse auf die Wohnzimmercouch projizieren, muss ich immer wieder lachen während ich den Text lese. Es sind Stellen wie

"Lichtspiele und Rundfunk brauchen sich nicht mehr als Kunst auszugeben. Die Wahrheit, daß sie nichts sind als Geschäft, verwenden sie als Ideologie, die den Schund legitimieren soll, den sie vorsätzlich herstellen."

oder:

"Die Verfassung des Publikums, die vorgeblich und tatsächlich das System der Kulturindustrie begünstigt, ist ein Teil des Systems, nicht dessen Entschuldigung."

die mir ob ihrer überzogenen, aber pointierten Schärfe Freude beim Anblick des Bösen machen. Nicht das Böse erfreut freilich, sondern der Blick auf es!

Die beiden schießen einfach wie Heckler&Koch im Kontext etablierten Niveaus auf alles was über den Bildschirm flimmert. Man kann sie sich gut in als Player eines intellektuellen Egoshooters vorstellen, die auf der Jagd nach Kapital-Monstern durch düstere (Unter-)Welten streifen.

Da ich weder ein Feind der intel(l)ektuellen Betätigung und auch keiner des Ego-Shooter-Spielens bin, sehe ich auch die oftmals durchaus praktikablen Analysen der von ihnen erkundeten Welt und der dabei erzeugten Landkarte:

"Die alte Erfahrung des Kinobesuchers, der die Straße draußen als Fortsetzung des gerade verlassenen Lichtspiels wahrnimmt, weil dieses selber streng die alltägliche Wahrnehmungswelt wiedergeben will, ist zur Richtschnur der Produktion geworden. Je dichter und lückenloser die Techniken die empirischen Gegenstände verdoppeln, um so leichter gelingt heute die Täuschung, daß die Welt draußen die bruchlose Verlängerung derer sei, die man im Lichtspiel kennenlernt."

...wenn das nicht eine Aufforderung ist mehr Godard zu gucken ist, weiß ich auch nicht - und für Godard bin ich immer zu haben....

Mittwoch, April 29, 2009

Gehlen's Blick ins Substanzlose

Lese gerade den Text "Die gesellschaftliche Situation unserer Zeit" aus "Anthropologische und sozialpsychologische Untersuchungen" von Arnold Gehlen. Und dabei finde ich es doch bemerkenswert, dass er von der "landschaftslosen Welt-Industrie-Kultur" spricht und praktisch den Zustand der Kommunikations- und Computergesellschaft schon zu erahnen scheint. Wobei ihm letzteres selbstredend nicht vor Augen schwebte, aber diese eben die konsequente Organisation der Degeographisierung der Gesellschaft geschaffen hat. Die Kommunikationsgesellschaft kann er dagegen aus der "sachnotwendigen", aber immer abstrakten sowie mobilen Hierarchisierung in modernen Industrieunternehmen, also durch modernes Management, herleiten.

Und bei all dem kommt er dann auch noch zu dem "befangenen Gedanken", den er vorsichtig, weil ins Ungewisse prognostizierend, formuliert, dass es im Zuge einer Weltkulturen zu glokalen Kulturzuständen komme müsse: "[...] dass sich im Schatten eines solchen weltumgreifenden industriellen Überbaus die bunteste Partikularität kleinteiliger Lokalzustände mit neubestärktem Sonderpathos entwickeln müsse, da daß sich seelisch ausfüllbare Künste und Sitten künftig unterhalb des Publizitätsbereiches, also im nichtöffentlichen Raum entwickeln könnten."

Gleich kommt er zur "moralischen Überforderung des Individuums"... spannend....

Dienstag, April 28, 2009

Kulturtheorie

Bin auf der Suche nach prägnanten Gedanken, die ich in einem Impulsreferat zur Kulturtheorie aufblitzen lassen will. Und natürlich gibt es zu viele... Wie die Komplexität reduzieren und trotzdem am Horizont mitflimmern lassen?

Auf jeden Fall werden Adorno, Gehlen und Adorno & Gehlen zu Wort kommen. Schließlich waren diese dank Alex Demirovic auch die beiden, die mir einen ersten spannenden Spannungsbogen in Sachen "Kulturtheorie" und (!) "Kulturreflexion" eröffeneten. Außerdem streiten sich die beiden so schön - bis sie merken, dass sie beide gar nicht so verschieden sind, denn spielen sie doch beide "das Kulturspiel"...

Ewig grinsen die gleichen Babies aus den Magazinen, ewig stampft die Jazzmaschine.
Bei allem Fortschritt der Darstellungstechnik, der Regeln und Spezialitäten, bei allem
zappelnden Betrieb bleibt das Brot, mit dem Kulturindustrie die Menschen speist, der
Stein der Stereotypie

Th. W. Adorno & M. Horkheimer, Dialektik der Aufklärung

Sonntag, Oktober 26, 2008

Technikfolgen

"Die Risiken auf die man sich einlassen muss, nehmen zu, und die Zukunft hängt von Technologien ab, die derzeit noch nicht zur Verfügung stehen."

Niklas Luhmann, Gesellschaft der Gesellschaft, S.533

Samstag, September 13, 2008

Macht in der Gesellschaft (der Gesellschaft)

Ein Freund fragte mich heute nach Luhmann`s Definition von Macht und ich muss zugeben, ich habe sein (Luhmann`s) kleines Machtbuch noch nicht gelesen. Die Universitätsbibliothek ist weit weg und so greife ich in das hauseigene Bücherregal. Mal sehen, was z.B. die Gesellschaft der Gesellschaft zu diesem Begriff so hergibt:

Bei Macht geht es um die Anschlusshandlungen an vorausgegangene Handlungen, wobei es zentral ist, dass es sich um Handlungen handelt und nicht nur das Erleben einer Kommunikation im Mittelpunkt steht. Somit wird ein aktiver Kommunikationsablauf evoziert, der erst damit abgeschlossen ist, wenn die erkennbaren Handlungen Egos keine reflexiven Beobachtungen der Kommunikation mehr provozieren, die Alter veranlassen weiter an die Kommunikation anzuschließen: (1) Alter will etwas und organisiert diesen Willen in entsprechenden Handlungen inkl. Handlungsanweisungen an Ego --> (2) Ego muss sich mit diesen Handlungsanweisungen auseinander setzen mit Blick darauf, ob er sich zustimmend oder ablehnend verhalten will --> (3) verhält Ego sich zustimmend, wird Alter dies neutral bis wohlwollend registrieren, (4) verhält sich Ego ablehnend wird Alter entscheiden müssen, ob (1') weitere Willensentscheidungen aus der Interpretation der Situation erfolgen sollen, die dann ggf. in Handlungen inkl. Handlungsanweisungen organisiert werden --> (2')...

"Das Bezugsproblem von Macht stellt sich nur in dem Sonderfall, dass das Handeln Alters in einer Entscheidung über das Handeln Egos besteht, deren Befolgung verlangt wird" (S.355) Konkret ausgedrückt: Es geht um Befehle, Weisungen etc. Alters an Ego. Alters kontingente Selektion ist als Prämisse für Egos Handlungen vorausgesetzt. Wird an die Prämisse nicht erwartungsgemäß angeschlossen muss Ego mit Sanktionierungen rechnen. Wobei – wie oben beschrieben - "Die Form der Macht nichts anderes als diese Differenz, die Differenz zwischen der Ausführung der Weisung und der zu vermeidenden Alternative [ist]." (S.356) Macht bezieht ihre Eigen-Macht im Kommunikationsprozess dadurch, dass sie durch überlegene physische Gewalt gedeckt ist. (S.481) Das ist ein wichtiger, nur in Krisensituationen der modernen Gesellschaft (im Blitzlichtgewitter der Medien?!) aufblitzender Punkt. Wobei ich mir gerade denke, dass es bereits früher der Fall gewesen sein könnte, dass sich Macht auch durch psychische Macht (Propaganda, Ideologie, ggf. Religion) etablieren konnte und in der Hochmoderne auch durch Informationssteuerung (Agenda Setting) sich stabilisiert. Müsste man weiterdenken....

Bei all dem ist Macht nichts festes, starres, ontologisches, sondern Macht ist ein Medium in dem sich bestimmte Machtziele und Sanktionsarten als Formen kristalisieren. (S.355 & 356). Diese Formen, gilt es dann in verschiedenen Kontexten zu analysieren. Die Berücksichtigung des Kontextes ist natürlich deshalb relevant, weil ein bestimmter Wille, eine bestimmte Zustimmung oder Ablehnung und eine bestimmte Sanktion bzw. Nicht-Sanktionierung in unterschiedlichen Situationen trotz Gleichartigkeit unterschiedliches ausdrücken kann.

Interessant finde ich noch, dass man mit Macht, ähnlich wie Geld, haushalten muss: "Parsons hatte, in Analogie zum Geld, von der Notwendigkeit gesprochen Macht auszugeben" (S.376) So wird Macht inflationäre dadurch, dass eine nicht haltbare Politik in Aussicht gestellt wird. (S.385)

Freitag, September 12, 2008

Begriffe des Tages

Einge Begriffe, von denen ich mir erhoffe, dass sie mir irgendwann einmal helfen mehr zu beobachten, als sie mir im Moment noch sagen:
  • Phase
  • Vektor(raum)
  • quantentheoretischer Probabilismus
  • Schwingung
  • stabil/elastisch # stabile Elastizität # elastische Stabilität

Ist alles von physikalischer Literatur geprägt zur Zeit. Aber m.E. läuft die Differenz der Wissenschaft nicht zwischen Naturwissenschaften und Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, sondern zwischen reduktionistischen Wissenschaften und an komplexität orientierten Wissenschaften...